Im Gespräch mit Leon
Im Gespräch mit Leon
„Die Natur ist Fülle — und diese Fülle darf nicht verloren gehen"
Leon Ahlers, Gründer von Two Hands BIO, über den Weg von Wildkräutern zur Manufaktur, Zungenbrecher-Rohstoffe und wie höchste Qualitätsansprüche zu fairen Preisen möglich werden.
Leon Ahlers — Gründer & Manufakturleiter
Wie ist Two Hands BIO entstanden?
Ich stamme tatsächlich aus einer Naturkosmetik-Unternehmer-Familie. Trotzdem hätte ich selbst nicht daran gedacht, in diese Richtung beruflich aktiv zu werden. Das Thema wurde durch meine Frau und Wegbegleiterin Vany interessant. Sie war sehr konsequent, was die Ursprünglichkeit und Nachhaltigkeit ihrer Produkte anging. Da sie auf dem Markt kaum Passendes fand, stellte sie aus einfachen Mitteln und Wildkräutern ihre eigene minimalistische Kosmetik her.
Ich selbst bin Herzblut-Unternehmer seit meinem 18. Lebensjahr und sah den rohen Schatz in dieser DIY-Kosmetik. Unser Weg nahm nach vielen Kurven einfach diese Richtung an — wir fingen an, erste Produkte zu entwickeln und Kleinstchargen herzustellen. Alles danach war organische Entwicklung: die wachsende Vielfalt unseres Sortiments, die Professionalisierung unserer Manufaktur, das immer tiefere Wissen über Pflanzenwirkungen — von traditionellem Wissen bis hin zu aktueller Wissenschaft.
Angetreten sind wir vor allem, weil wir nicht nur wirklich gute Produkte in die Welt bringen wollten, sondern auch das Unternehmertum mit voller Integrität und Achtsamkeit aufbauen wollten — für die Würde aller Lebewesen, ob Mitarbeiter, Kunden oder Insekten auf den Wildblumenwiesen. Wir sind dankbar, dass wir nach über fünf Jahren einen Teil dieser Vision verwirklichen konnten.
Der Name „Two Hands" — woher kommt der?
Der Name stammt aus meinem vorherigen Handwerksunternehmen — einem ganz anderen Bereich, dem Metallhandwerk. Er steht für Verantwortung und Qualitätshandwerk. Dafür, ein wirklich gutes Werk zu vollbringen, etwas Ganzheitliches. Auch wenn ich mit meiner persönlichen Weiterentwicklung das frühere Unternehmen hinter mir gelassen habe — der Name blieb. Und mit ihm das kompromisslose Qualitätsverständnis und die Verantwortung, die mit dem eigenen Wirken zusammenhängt.
Eure Mission ist „Die Erbauung einer lebensfördernden Erde". Was bedeutet das konkret?
Das ist der Versuch, eine Vision, die uns stetig begleitet, in einen Satz zu packen. Es ist unser Streben in jedem Bereich — in der Art, wie wir uns als Team behandeln, wie wir unseren Garten zu einem Lebensraum für Wildtiere entwickeln, wie wir Wertschätzung und Freundschaft in unsere Kundenbeziehungen fließen lassen. Es ist überall. Und genau deswegen ist es fast schon wieder schwer, es zu erklären — es klingt banal, weil es so selbstverständlich geworden ist.
Was drückt „Urkosmetik" aus, was „Naturkosmetik" nicht schafft?
Wir glauben, dass unsere Urkosmetik das ist, was Naturkosmetik am Anfang sein wollte. Dieselbe Idee — nur dass wir wieder das hochgeholt haben, worin die kommerzielle Naturkosmetik ihre Konsequenz aufgegeben hat: die ursprüngliche Natur.
Wenn Du unsere Rohstoffliste liest und merkst: „Ach, eigentlich kenne ich das — von der gesunden Nahrung, von Oma oder aus dem Wald" — dann versteht man intuitiv, dass das etwas Echtes ist. Das ist Verbindung, nicht Entfremdung.
Wir verschmelzen diese ursprüngliche Weise, das traditionelle Wissen, mit moderner Wissenschaft, um das Beste herauszuholen. So wird Urkosmetik nicht unbequem, sondern wirksam und ein sinnliches Erlebnis. Ein hochwertiger Bio-Vanilleextrakt ist eine tiefe Dufterfahrung. Manche Kunden schrieben uns schon, dass sie nach dem Duft fast süchtig werden. (lacht) Das hat noch kein synthetischer Duft schaffen können.
Was wir dabei gelernt haben: Natur ist Fülle. Und diese Fülle darf nicht verloren gehen — sie ist der beste Rohstoff für erstklassige Kosmetik. Das verstehen wir mit jedem Schritt ein Stück tiefer.
Urkosmetik ist für uns Alltag — nicht Marketing.
Ihr bietet auch Rohstoffe und DIY-Rezepte an. Kostet euch das nicht Umsatz?
Ha, das ist auch wieder „Two Hands". Zum Handwerk inspirieren, zum Erschaffen ermutigen — genau das ist unser Ziel. Die Verantwortung, die ich vorhin ansprach. Wir haben die Chance, Menschen mit der Kraft der Natur und ihrer eigenen Selbstwirksamkeit zu verbinden. So eine Chance lassen wir uns nicht entgehen. (lacht)
Viele Menschen fühlen sich erfüllter, wenn sie ihre eigene Kosmetik kreieren. Ich selbst bin jemand, der am liebsten alles selber können will. Wir tragen gerne zu diesem Self-Empowerment bei. Und was wir sehen: Unsere Kunden probieren sich gerne an eigener Kosmetikherstellung aus, greifen aber genauso gerne zum fertigen Manufaktur-Produkt von uns. Beide Welten sind kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.
Außerdem ist jeder Rohstoff für sich schon eine puristische Kosmetik. Du kannst ein sinnlich duftendes Massageöl aus Aprikosenkernöl und unseren Extraktölen erschaffen, aber genauso gut jeden einzelnen Rohstoff pur genießen. Für Puristen oder Menschen mit sehr anspruchsvoller Haut ist das oft der beste Weg. Ich selbst nutze wegen meiner ultra-sensiblen Haut in manchen Lebensphasen nur unsere pure Sheabutter. Nicht mehr, nicht weniger.
Pur genießen — Natur auf der Haut.
Wie sieht ein typischer Tag in der Manufaktur aus?
Marius, ein enger Freund unserer Familie, und ich sind aktuell die Haupt-Arbeitskräfte, da Vany die Hauptverantwortung für unsere fünf Kinder trägt und unsere Kleinste noch viel Begleitung braucht. Um 9 Uhr besprechen wir kurz, was für den Tag ansteht. Dann wirft Marius die Töpfe an, zerkleinert Sheabutter, wiegt mit der Feinwaage unsere Rezepturen ab. Ich bin währenddessen dabei, Beratungsanfragen von Kunden zu beantworten, Bestellungen zusammenzustellen und später in den Versand überzugehen. Manchmal springen die Kinder beim Versand mit mir herum oder versuchen sich an ersten Handgriffen — vielleicht packen sie ja irgendwann richtig mit an.
Wer kauft eigentlich bei euch?
Ich hätte selbst nicht erwartet, wie breit unsere Kundenschicht ist. Früher dachte ich, Urkosmetik würde eher einen alternativen, ökologisch orientierten Typus anziehen. Aber von der Natur-Fee, die Wildkräuter sammelt, bis zum Ultra-Karrieristen, der eine natürliche Alternative für sein Haarstyling sucht — das Spektrum ist bunt. Das macht mich sehr glücklich, denn ich sehe, dass Natürlichkeit ihre rechtmäßige Position in den Herzen und Köpfen vieler Menschen zurückgewinnt.
Was überrascht Neukunden am meisten?
Was wir oft lesen: der Duft, der die Leute umhaut. In unseren Produkten gibt es keinen Verschnitt — man riecht die Natur in ihrer Echtheit. Und das duftet herrlich. Berührend auf einer tieferen Ebene, so wie Musik. Die Aromatherapie mit Naturdüften wird heutzutage immer wissenschaftlich fundierter — das ist der objektive Teil. Aber subjektiv weiß das jeder, dessen feine Nase von der Natur kosten mag.
Gerade bei unseren Balsamen sind die Menschen positiv überrascht von ihrer feinen Konsistenz und Cremigkeit. Der Trick ist ein langwieriger Prozess des Kaltrührens, den Marius in der Produktion über Jahre perfektioniert hat. So wird es bei edler Schokolade auch gemacht — so machen wir es.
Manche Aspekte sind natürlich erstmal ungewohnt. Zahnpulver zum Beispiel ist eine Umstellung, wenn man von Kindesbeinen an Zahnpasta gewohnt war. Aber die Umstellung ist oft viel leichter, als man anfangs denkt — wenn man der Welt der bio-veganen Urkosmetik eine faire Chance gibt.
Die beste Reaktion auf echte Naturkosmetik.
Wie wählt ihr einen neuen Rohstoff aus?
Erstmal muss ihn jeder Kunde, der kein Chemie-Studium hat, aussprechen können. Beste Faustregel: Zungenbrecher fallen raus. (lacht) Dann muss der Rohstoff in Bio-Qualität vorliegen — das ist manchmal gar nicht so leicht, wie man denkt. Und dann prüfen wir die wissenschaftliche Evidenz, weil wir den Anspruch haben, wirklich wirksame Kosmetik zu machen.
Dann kommt der tollste Teil: Proben bestellen, riechen, schmecken, kombinieren, verfeinern, testen, nachbessern — und am Ende hoffentlich etwas mit echtem Wert geschaffen haben. Manchmal dauert das Monate, manchmal gelingt ein Produkt wie von Zauberhand auf Anhieb.
Ein besonders anspruchsvoller Teil der Arbeit ist es, nicht nur gute Rohstoffe zu finden, sondern deren Qualität über Jahre und Chargen zu gewährleisten. Naturrohstoffe sind nicht so einheitlich wie Syntheseprodukte — sie können sich in Geruch und Farbe unterscheiden. Wir mussten auf dem Weg einige Enttäuschungen hinnehmen, und umso schärfer sind unsere Qualitätskriterien mit der Zeit geworden. Ein nicht optimales Produkt zu verkaufen, ist für mich eine Belastung. Deswegen geben wir alles, die Qualität auf absolutem Best-Niveau zu halten.
Warum habt ihr euch gegen Amazon und Ebay entschieden?
Das hat mit Verantwortung zu tun. Es hagelt natürlich oft Kritik an Weltkonzernen wie Amazon. Ich bin kein Richter, was davon stimmt oder nicht — aber ich weiß, dass diese Unternehmen nicht für dieselben Werte einstehen würden wie wir. Zumindest nicht, wenn es hart auf hart kommt.
Über unsere eigene Website kann der Kunde das Ganze erleben. Verstehen, was in den Produkten steckt und wer dahinter steht. Tiefer blicken, vielleicht auch mal den Verbund der LebensGärten entdecken. Es ist voller, ganzheitlicher. Das bekommen wir über Marktplätze nie vermittelt — beim Avocadostore noch am ehesten.
Außerdem stehen wir für den Ansatz „bio-vegane Urkosmetik für alle" — das heißt, es muss auch für alle leistbar sein. Manche misstrauen uns, weil unsere Preise so niedrig sind — die denken, das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Aber die fairen Preise sollen ursprüngliche Pflege für jedermann zugänglich machen. Die Natur ist üppig und für alle da — daran soll auch der Preis erinnern. Marktplätze erhöhen ihre Gebühren stetig, und es wird immer schwerer, faire Preise zu halten, ohne die Produktqualität zu opfern. Bevor das bei uns passiert, gehen wir lieber gleich den geraden Weg.
Was ist der „Verbund der LebensGärten"?
Im Verbund der LebensGärten bündeln wir unser Engagement, das keinerlei finanzielles Ziel verfolgt — anders als unser Handwerk. Wir haben zum Beispiel ein Waldstück im nahegelegenen Deister gepachtet und die Jagd dort wirksam verboten. Wir bepflanzen unseren großen Garten mit Obstbäumen und Wildbeeten für Insekten und schaffen Lebensräume für Wildtiere.
Gleichzeitig forschen wir an der Weiterentwicklung des menschlichen Bewusstseins und ganzheitlicher Gesundheit — über Kampfsport, innere Arbeit oder intuitive Musikimprovisation. Das Engagement ist in seinen Disziplinen breit gefächert, aber es dient immer demselben Ziel: der Erbauung einer lebensfördernden Erde.
Wir glauben, dass es bei jedem Einzelnen beginnt — eine Entwicklung, ein neues Bewusstsein, zum Beispiel für die Verbundenheit allen Lebens. Und dann geht es weiter. Wie ein Baum, der zum Wald wird. Wir nähren uns als Baum und als Familien-Wald. Und wir zeigen das, damit diese Inspiration einem weiteren Baum helfen kann. So wird jeder kleine LebensGarten hoffentlich ein Verbund — zu einem Wald.
Im Deister — wo aus kleinen LebensGärten ein Wald wird.
Wo siehst du Two Hands BIO in fünf Jahren?
Wir werden jeden Tag aufrichtig unser Bestes geben. Das soll bleiben und das soll auch alles verändern.
Ein Produkt zum Ausprobieren — welches?
Unsere VanilleButter — dann kann dieser Mensch prüfen, ob ich zu viel versprochen habe. (lacht)
Interview geführt im März 2026. Das Gespräch ist Teil unserer Reihe „Im Gespräch mit Leon", in der wir regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen unserer Manufaktur geben. Du hast Fragen zu unseren Produkten oder möchtest eine persönliche Beratung? Schreib uns gerne.
Dieses Interview wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Letzte Prüfung: März 2026.