Im Gespräch mit Vanessa
Im Gespräch mit Vanessa
„Ich möchte die Welt besser machen — ein bisschen Paradies auf die Erde bringen"
Vanessa Ahlers über die Anfänge mit Kamillentee und Wildkräutern, warum Veganismus sie gefunden hat und was es heißt, hinter den Kulissen einer Familienmanufaktur die Fäden zusammenzuhalten.
Vanessa Ahlers — Mitgründerin & Inspiration
Vanessa, Du hast die allererste Two Hands BIO Urkosmetik hergestellt — lange bevor es einen Shop gab. Wie hat das angefangen?
Mit der Schwangerschaft meiner ältesten Tochter wollte ich die Welt besser hinterlassen, ein gutes Vorbild sein — und fing an, mich mit dem Thema Gesundheit zu beschäftigen. Von Bewegung an der frischen Luft über vollwertige Ernährung und Pflege meines inneren Lebens kam ich zur äußeren Pflege meines Körpers.
Ich fing mit bekannten Naturkosmetik-Marken an und hatte zum Teil heftige Reaktionen auf die Inhaltsstoffe. So befasste ich mich mit den Rohstoffen und fing an, meine eigenen puren Pflegeprodukte herzustellen — ohne Füllstoffe oder Inhalte, die ausschließlich der Konsistenz oder dem Geruch dienten. Ich brauchte nicht viele Produkte und auch nur wenige Inhaltsstoffe. Es war viel günstiger und sehr ökologisch. Nur der Aufwand war mir manchmal etwas viel. Daher bin ich sehr froh, dass wir jetzt immer so eine tolle Auswahl direkt im Haus haben.
Welche Pflanze hat Dich damals am meisten fasziniert — und tut es vielleicht heute noch?
Ich fing mit Kamille an — zunächst nahm ich einfach die Teebeutel, die ich ohnehin im Haus hatte. Es gibt inzwischen zahlreiche Pflanzen, die mich faszinieren, da man viele, wie die Kamille, so vielseitig nutzen kann. Innerlich wie äußerlich.
Die Brennnessel finde ich auch spannend und vor allem scheint sie mir total unterschätzt zu werden. Viele sehen sie nur als Unkraut, dabei ist es so ein tolles Beikraut — vollkommen kostenlos, und die Samen sind so lecker. Es gibt aber auch einige DIY-Kosmetik-Rezepte mit dieser Pflanze.
Es ist schwer für mich, das zu entscheiden, weil es so viele tolle Pflanzen gibt. Bedingt durch eine Hautkrankheit, die Rosacea, fasziniert mich inzwischen die Wildrose. Aber die kannte ich damals in dem Zusammenhang gar nicht. Daher ist die Antwort: Kamille — weil ich sie damals schätzen lernte und sie auch heute noch unglaublich vielseitig einsetze.
Hände in der Erde — so begegnet Vanessa der Natur.
Tierrechte und Naturschutz sind Dir sehr wichtig. Woher kommt diese Überzeugung?
Ich habe schon als kleines Kind wilde Tiere fasziniert beobachtet und gerettet. Jede Fliege gefangen, um sie in die Freiheit zu entlassen. Sämtliche Tiere im Wasser eingesammelt, um sie an Land zu bringen. Später dann wilde und Haustiere aufgenommen, um sie gesund zu pflegen oder ihnen Obhut zu geben, bis sie ein Zuhause gefunden haben.
2012 war ich beim Arzt, weil meine Finger immer wieder ganz plötzlich dick wurden und unangenehm juckten. Der Arzt sagte, es sei Gicht — und könne unter anderem von Schweinefleisch kommen. Zuhause recherchierte ich das, denn ich war so verzweifelt durch die immer schlimmer werdenden Anfälle, dass ich dem zumindest nachgehen musste, auch wenn ich es für völligen Quatsch hielt.
Bei meinen Recherchen landete ich auf Seiten wie VEBU (heute ProVeg) und PETA. Ich war so gefesselt, dass ich die ganze Nacht durchgelesen habe. Am nächsten Tag war klar: Ab heute vegan. Zuvor kannte ich das Wort nicht einmal.
Ich las von den Auswirkungen unseres Konsums auf andere Länder, auf die Umwelt, auf unsere Gesundheit. Kurz gesagt: Danach hatte ich keinen Grund mehr, omnivor zu bleiben — dafür unendlich viele Gründe, vegan zu leben. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieses Thema mich gefunden hat.
Du engagierst Dich beim Verbund der LebensGärten. Was passiert dort?
Der Verbund der LebensGärten gibt dem, was ich seit vielen Jahren tue, einen Namen. Wie auch schon früher setze ich mich für alle Tiere — den Menschen eingeschlossen — ein. Durch den Verbund und die damit verbundenen finanziellen Ressourcen habe ich inzwischen mehr Möglichkeiten als früher.
So haben wir einen Wald, den wir renaturieren, und eine Streuobstwiese, die wir weiter bestücken. Den Wald haben wir befrieden lassen, was ich gerne mit noch mehr Waldgrundstücken tun würde. In unserem Garten gibt es wilde Ecken für Lebensraum und Futterquellen. Ich habe viele Tiere in Not aufgenommen — Igel, Katzen, Hunde, Reptilien, Vögel und auch Insekten. So manche Tierarztrechnung habe ich über viele Jahre abgezahlt, auch als das Tier dann schon ein neues Zuhause bekommen hatte.
Ich möchte die Welt besser machen, ein bisschen Paradies auf die Erde bringen — und ich genieße es einfach, die Natur zu unterstützen, die wilden Tiere um mich zu haben, die wunderschönen Farben und Formen. Das pure Leben und so viel Magie.
Ein Baum wird zum Wald — so wächst ein LebensGarten.
Fünf Kinder, ein Garten, die LebensGärten, die Manufaktur — wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus?
Einen typischen Tag gibt es nicht wirklich, höchstens mal phasenweise. Wir entwickeln uns alle ständig weiter, jeder für sich und als Familie. Im Moment genieße ich mit den beiden Jüngsten viel unseren Garten. Umso mehr freuen wir uns dann auf Feste, Veranstaltungen und regelmäßige Treffen wie das freie Turnen.
Bei uns tut sich immer ganz viel. Manchmal versuchen wir, unsere Kraft irgendwo hinzulenken, wo die Energie nicht lang fließt. Dann lassen wir los und folgen dem Fluss. Wir scheuen keine Anstrengungen — auch wenn es fließt, kann es sogar sehr anstrengend sein. Ob die Kraft wo lang fließt, merke ich daran, ob es fruchtbar ist.
Leon nennt Dich die „gute Fee" von Two Hands BIO. Wie würdest Du Deine Rolle beschreiben?
Ich weiß nicht, was Leon mit der guten Fee meint — vielleicht so etwas wie einem Springer einen schönen Namen zu geben, der überall da ist, wo er gebraucht wird, und seine Talente einsetzen kann. Ich persönlich verbinde eine gute Fee mit jemandem, der anderen hilft und Herzenswünsche erfüllt — was ich zumindest versuche.
Ich arbeite vor allem hinter den Kulissen für Two Hands BIO. Wäsche, Spülmaschine, Anfragen weiterleiten oder in Absprache mit Leon selbst beantworten, Gratisprodukte mit ehrenamtlichen Vereinen verteilen — eben alles, was man gut flexibel machen kann. Aber vor allem kümmere ich mich um unsere Kinder mit allem, was an Organisation dazugehört.
Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, kam bisher zu kurz: die Möglichkeiten und Rechte während der Schwangerschaft und bei der Geburt — für eine selbstbestimmte Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft. Ein selbstbestimmtes Leben ist mir sehr wichtig. Ich habe selbst viel Ohnmacht und Fremdeinwirkungen erlebt und möchte anderen ermöglichen, schönere Erfahrungen zu machen.
Selbstbestimmt — in jeder Lebensphase.
Was wünschst Du Dir, dass Deine Kinder von diesem Weg mitnehmen?
Ich lebe meinen Kindern Empathie, Achtsamkeit, Authentizität und bedingungslose Liebe vor — manches kann ich besser als anderes. So arbeite ich selbst noch daran, Selbstliebe und Selbstfürsorge gesund vorzuleben.
Ob die Kinder sich meinen praktischen und minimalistischen Lebensstil abschauen, weiß ich nicht — aber ich sehe, dass sie meine Faszination für die Natur und ihre Lebewesen teilen. Ich sehe, dass vieles auf sie abfärbt und wir ihnen einen guten Nährboden bieten, um selbst ein freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Sie wollen aber auch ihre eigenen Erfahrungen machen — mit dem Konsum und anderen Dingen, die mir nicht immer gefallen. Es ist mir wichtig, ihnen nicht meine eigenen Prioritäten überzustülpen, sondern sie zu inspirieren, zu begleiten und in ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu unterstützen.
Gibt es ein Produkt, das für Dich persönlich eine besondere Bedeutung hat?
Ich finde es wirklich so schwer, mich zu entscheiden, dass ich am liebsten einfach die B-Ware nutze — die ist in der Regel inhaltlich genauso qualitativ hochwertig wie die A-Ware. Oft sind es nur Makel am Etikett oder teilgefüllte Produkte.
Im alltäglichen Gebrauch sind bei mir die Zahnpflege Odem und die Ölziehkur Baumkuss fest dabei. Zum Baden nehme ich am liebsten die Sommerreise. Unter der Dusche kommt meist das Weihrauchsalz zum Einsatz — mein Körper duftet danach so herrlich. Bei der Morgenroutine verwende ich AloeRosa Wasser zur Reinigung und massiere danach Rosenserum oder WildRosenöl auf die feuchte Haut. Vor der Sauna nutze ich ganz dünn Jojobaöl wegen meiner Rosacea — das hilft, dass die Haut nicht so rot wird.
Wachtraum ist meine absolute Lieblingsbutter, aber alle anderen duften auch so gut, dass ich einfach nehme, was gerade da ist. Die Rosenbutter, die Kaffeebutter — ach, ich könnte wirklich fast alle aufzählen. Es ist eine Qual der Wahl. Ich bin wirklich reich beschenkt, all diese Produkte jederzeit zur Verfügung zu haben.
Alle unsere Produkte verkörpern, was mir wichtig ist: vegan, möglichst plastikfrei, aus reinen Wirkstoffen, bio, ohne Alkohol und Füllstoffe, mit viel Liebe entwickelt und hergestellt. Handgemacht, regional, bei uns zu Hause — authentisch, ehrlich und transparent.
Was würdest Du jemandem sagen, der zum ersten Mal darüber nachdenkt, eigene Kosmetik herzustellen?
Ich fand es schön, mich mit den Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen, mehr von den Pflanzen zu erfahren und mit den Wirkstoffen zu experimentieren. Es ist schön, ganz genau zu wissen, was drin ist. Und wer es nicht selbst machen kann oder möchte — für mich ist es ein echter Mehrwert, genau diese Reinheit anderen anbieten zu können.
Interview geführt im März 2026. Das Gespräch ist Teil unserer Reihe, in der wir regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen unserer Manufaktur geben. Du hast Fragen zu unseren Produkten oder möchtest eine persönliche Beratung? Schreib uns gerne.
Dieses Interview wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Letzte Prüfung: März 2026.