Wie ein Produkt entsteht
Im Gespräch mit Leon
Wie ein Produkt entsteht — von der Idee bis in den Tiegel
Leon Ahlers über Familienimpulse, intuitive Nachmittage im Labor, einen Magier namens Marsa und die Frage, warum manche Ideen zwei Jahre reifen müssen.
Vom Rohstoff zum fertigen Produkt — alles von Hand.
Wie fängt bei euch alles an — was ist der allererste Impuls für ein neues Produkt?
Das ist tatsächlich immer wieder unterschiedlich, aber ich verrate Dir, wie es am meisten Freude macht. Entweder es gibt einen direkten Anlass in unserer Familie. So ist zum Beispiel unser rotes Badesalz „RossiLino" entstanden. Unsere Kinder wollten so gerne in farbigem Wasser planschen, aber die Produkte am Markt konnten unseren Kriterien nicht standhalten. Also nahmen wir einen besonders hochwertigen rotfärbenden Stoff — unser Bio-Hibiskuspulver. Das RossiLino ist übrigens nach meinem ältesten Sohn benannt.
Auch unsere Aloe-Vera-Produkte sind so entstanden. Ich suchte nach einer Pflege, die meine ultrasensible und sehr gereizte Haut beruhigen kann. Ich hatte also einen guten Grund — auf meiner eigenen Haut.
Solche Geschichten finden sich in sehr vielen unserer Produkte. Aber es gibt noch eine Art, wie es richtig schön ist: Ein ruhiger Nachmittag, fern vom Alltags-Flow, und ein kleiner Impuls führt mich ins Labor. Das Rohstoff-Lager wird geplündert und ich fließe in einen Entwicklungsprozess, der sich ganz intuitiv und sehr verbunden anfühlt. So sind zum Beispiel fast alle unsere NaturParfume entstanden. Da gehe ich im Schöpfungsweg auf.
Wenn der Impuls da ist — wie geht es dann weiter bis zur fertigen Charge?
Testen, testen, testen. Berührt der Duft die Sinne? Pflegt das Produkt den Körper wirksam, ohne ihm zu schaden? Gehen die Rohstoffe und auch zugehörigen Verpackungen mit unseren Nachhaltigkeits-Kriterien im Einklang?
Dazu gehört zum Beispiel die Wahl der richtigen Verpackungsgröße. Wir mögen ergiebige Produkte, lieber etwas mehr im Tiegel — gut für den Kunden, aber vor allem auch sparsamer Einsatz von Verpackungs-Ressourcen.
Wenn Zweifel aufkommen, lassen wir es lieber noch einmal reifen. Wenn es nicht passt, sind wir gnadenlos — dann geht die Idee, dann darf etwas Neues kommen. Die besten Produkte kommen ins Sortiment. Doch dann kommt die wahre und wichtigste Prüfung — die Prüfung durch unsere lieben Kundinnen und Kunden. Ihr da draußen entscheidet, und wir nehmen Euch ernst.
Zwei Hände, natürliche Rohstoffe — mehr braucht es nicht.
Verpackung — Glas, Größen, Nachhaltigkeit. Wie viel Denkarbeit steckt allein darin?
Wir sind sehr dankbar, eine Handvoll sehr professioneller Verpackungs-Hersteller als Partner zu haben. Alle stammen aus Deutschland oder Österreich, sodass die Transportwege überschaubar bleiben. Fernost-Ware ist heutzutage auch in diesem Bereich sehr weit verbreitet. Unser Hauptlieferant aus Österreich stellt seit über 200 Jahren Gläser her.
Zudem verwenden wir bewusst simple Verpackungen. Diese sind sehr viel günstiger als die für die Kosmetik-Branche üblichen Spezialverpackungen. Das geben wir dann an unsere Kunden weiter. Denn unsere Vision „Bio-Vegane Urkosmetik für Alle" gebietet uns, absolut faire Preise zu erzielen.
Wichtig für uns: Die Verpackung muss wiederverwendbar und recycelbar sein. Glas, Weißblech, Aluminium, kompostierbare Cellulose, unsere Kunststoffdeckel aus HDPE und die Etiketten aus recyceltem Papier — alles zu 100 % recycelbar. Einzig bei den Dichtungen bin ich mir nicht ganz sicher, aber die machen unter 0,01 % vom Gewicht aus.
Was passiert Schritt für Schritt in der Manufaktur — vom Rohstoff-Lager bis zum fertigen Tiegel?
Nachdem Marsa die Rohstoffe aus dem Lager geholt hat, wiegt er mit Fingerspitzengefühl alle Rohstoffe feinst säuberlich nach Rezeptur ab. Dabei werden neben MHD-Daten auch der Duft und die Farbe kritisch geprüft. Da sind wir schon manchmal ein wenig pingelig (lacht), aber das zahlt sich meiner Meinung nach auch aus.
Dann wird gemischt, gerührt, aufgeschlagen und natürlich immer wieder geprüft. Das erinnert eher an einen Sterne-Koch als an eine Kosmetik-Produktion. Marsa hat über Jahre das cremige Rühren unserer Balsame perfektioniert. Dafür hat er ein paar Geheimtricks entwickelt. Deswegen nennen wir ihn auch intern „Marsa der Magier". Da bin ich wirklich sehr stolz auf ihn.
Wenn die Öle, Balsame und Seren gemischt sind und die Konsistenz stimmt, wird alles in unsere Abfüllmaschinen gefüllt. Kleinere Chargen machen wir mit kleinen, aber sehr effizienten Hand-Maschinen. Für größere Chargen haben wir mittlerweile eine starke Maschine mit Pumpe, die in Dresden in geringer Stückzahl hergestellt wird. Alles verschließen und auf unsere halbautomatische Etikettiermaschine — auch in Deutschland hergestellt. Wir nennen sie „Hermi", nach meinem Cousin. (lacht)
Dann ins Lager. Bei jedem Arbeitsschritt sind unsere Sinne und unsere zwei Hände führend. So wird jedes Produkt auch circa sieben Mal geprüft, bis es bei unseren lieben Kunden landet. Vom ersten Rohstoff-Test bis zum Verpacken im Versand.
Am Ende jeder Reise: handgeschriebene Grüße und ein Paket voller Sorgfalt.
Naturrohstoffe sind nicht immer gleich — wie geht ihr mit Chargen-Schwankungen um?
Mit der Ungewissheit, ob die nächste Charge wieder so perfekt wird, umzugehen, fiel mir am Anfang nicht so leicht. Vor Two Hands BIO war ich ja im Bereich Metallhandwerk selbstständig. Da sind die Materialqualitäten hochgradig standardisiert und haben natürlich auch kein MHD. (lacht)
Die Sinne stets wach zu halten ist das Wichtigste, so entgeht einem fast nichts. Und wir mussten über die Jahre erfahren, welcher Lieferant welche Qualitäten bei dem jeweiligen Rohstoff liefert. So haben wir unseren Lieferanten für ätherische Öle komplett wechseln müssen, da das Duftprofil nicht so tief ging, wie es möglich ist.
Wenn ein Kunde über Qualitätsschwankungen irritiert ist, erklären wir auf Augenhöhe. Wenn der Kunde wirklich unzufrieden ist — Geld zurück, keine Diskussion. Lieber Geld als Vertrauen oder Integrität verlieren. Aber das passiert zum Glück selten, da wir zu echten Wachhunden über unsere Rohstoff-Qualität geworden sind. (lacht)
Was war das schwierigste Produkt, das ihr je entwickelt habt?
Ganz klar: unsere Schminke. Daran haben wir über zwei Jahre gearbeitet. Zugegeben, ich hatte die Idee oft begraben, da ich dachte, es sei vielleicht doch unmöglich, eine farbechte und beständige Schminke ausschließlich mit Urkosmetik-Rohstoffen herzustellen. Aber nach ein paar Wochen oder Monaten kitzelte es mich dann doch wieder.
Nach vielen Schritten sind wir zu einem sehr schönen Ergebnis gekommen. Einigen Stammkunden haben wir vorab Tester zugesendet, um zu sehen, wie sie die Qualität in der Alltags-Praxis erleben. Das war ein wertvoller Prozess.
Natürliche Rohstoffe — Grundlage jedes Produkts.
Was macht eure Produkte anders — in wenigen Worten?
Ich würde demjenigen einfach ein paar Produkte geben. Duften, fühlen, Wirkung spüren. Das Erleben ist die einzige wirklich gute Art, sich der Urkosmetik zu nähern.
Aber nochmal in Worten: Ursprünglichkeit und handwerkliche Qualität als Wurzeln — und herrliche, unverfälschte Düfte und pure Pflegewirkung ohne Kompromisse als Flügel.
Interview geführt im März 2026. Das Gespräch ist Teil unserer Reihe „Im Gespräch mit Leon", in der wir regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen unserer Manufaktur geben. Du hast Fragen zu unseren Produkten oder möchtest eine persönliche Beratung? Schreib uns gerne.
Dieses Interview wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Letzte Prüfung: März 2026.