Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Aufrichtig · Sinnlich · Wirksam FamilienManufaktur für Bio-Vegane Urkosmetik Ab 49 € versandkostenfrei

Unsere Gläser weiterverwenden — praktische Ideen nach Verpackungstyp

Wissen & Hintergrund

Glasverpackung in der Naturkosmetik — eine ehrliche Bilanz

Warum wir Glas verwenden, wo Glas an seine Grenzen stößt — und was das für unsere Ökobilanz bedeutet.

Wenn Du eines unserer Produkte in der Hand hältst, hältst Du ein Braunglasfläschchen. Kein Zufall — und kein reines Stilmittel. Glas hat für uns handfeste technische Gründe. Aber ich will Dir hier nichts vormachen: Glas ist nicht automatisch „die nachhaltige Verpackung". Die Realität ist komplizierter, und genau darüber möchte ich offen reden.

In diesem Artikel erfährst Du, warum Glas für unsere Formulierungen die richtige Wahl ist, wo die echten Nachteile liegen — und warum eine ehrliche Antwort auf die Frage „Ist Glas umweltfreundlicher als Plastik?" kein einfaches Ja oder Nein sein kann.

Warum wir Glas verwenden — die technischen Gründe

Der wichtigste Grund ist chemische Inertheit. Klingt sperrig, bedeutet aber: Glas gibt keine Stoffe an unsere Formulierungen ab. Null. Es ist nicht porös, gasundurchlässig und reagiert nicht mit den Inhaltsstoffen.

Warum das so wichtig ist? Wir arbeiten mit fettbasierten Formulierungen — Öle, Pflanzenbutter, Wachse. Genau bei solchen fettlöslichen Produkten zeigt die Forschung, dass Kunststoffverpackungen problematisch sein können. Bou-Maroun und Kollegen haben 2023 elf Kunststoffverpackungen mit verschiedenen Simulanzien getestet. Das Ergebnis: Besonders bei fettigen Medien migrierten Substanzen mit antiandrogener Aktivität aus dem Kunststoff — darunter Diethylphthalat und Benzophenon. In 19 von 66 getesteten Kombinationen wurden solche Aktivitäten nachgewiesen.

Ehrliche Einordnung: Für Kosmetik-Kontaktmaterialien existiert keine spezifische EU-Gesetzgebung vergleichbar der Lebensmittelkontakt-Verordnung. Die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 fordert zwar eine Sicherheitsbewertung der Verpackung, aber verbindliche Migrationslimits gibt es für Kosmetikverpackungen nicht. Das heißt nicht, dass Kunststoffverpackungen per se unsicher sind — aber für fettbasierte Naturkosmetik ist ein inertes Material wie Glas die sicherere Wahl.

Dazu kommt der UV-Schutz. Braunglas — das klassische Apothekerglas — absorbiert über 90 % der UV-Strahlung unterhalb von 450 Nanometern. Das klingt nach Labordaten, hat aber sehr praktische Folgen: Ätherische Öle, Vitamin E und andere lichtempfindliche Wirkstoffe bleiben geschützt. In einem Labortest des Verpackungsherstellers PauPack über zwölf Wochen UV-Belastung behielten Lavendel- und Süßorangenöl in Braunglas 95 % ihrer ursprünglichen Zusammensetzung. In PET-Flaschen sank dieser Wert auf 77 % beziehungsweise 53 %. (Herstellerstudie — keine unabhängige peer-reviewed Publikation, aber die Grundaussage deckt sich mit der allgemeinen Fachliteratur zum UV-Schutz von Braunglas.)

Und dann sind da unsere ätherischen Öle. D-Limonen — der Hauptbestandteil aller Zitrusöle — löst Polystyrol buchstäblich auf und greift auch andere Kunststoffe an. Selbst als „beständig" geltende Polymere wie HDPE und PP sind nur für verdünnte Öle und kurze Lagerzeiten getestet. Für eine Marke, die mit konzentrierten ätherischen Ölen und reinen Pflanzenfetten arbeitet, ist Glas keine Lifestyle-Entscheidung — es ist technische Notwendigkeit.

Die unbequeme Wahrheit: Was Glas schlechter kann

Lass uns das mal aufdröseln, denn hier wird es unbequem. Glas hat einen echten Nachteil, und der heißt: Gewicht.

Ein 50-ml-Glastiegel wiegt mit 80 bis 120 Gramm etwa sechsmal so viel wie ein PET-Tiegel gleicher Größe. Das klingt erstmal nach einer Nebensache, ist aber ökologisch relevant: Mehr Gewicht bedeutet mehr Energie bei der Herstellung und mehr CO₂ beim Transport. Eine Meta-Analyse von Meng, Brandão und Cullen (2024) in Environmental Science & Technology hat 16 Produktkategorien untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass Kunststoffprodukte in 15 von 16 Fällen 10 bis 90 % weniger Treibhausgasemissionen verursachen als Alternativen wie Glas.

Konkret: Laut einer Berechnung von Drug Plastics & Glass Co. verursacht ein 60-ml-Glastiegel bei Herstellung und Transport rund 247 Gramm CO₂-Äquivalente. Ein HDPE-Tiegel gleicher Größe kommt auf etwa 49 Gramm — Faktor fünf. Bei einer Million Einheiten summiert sich die Differenz auf rund 197 Tonnen CO₂.

Ehrliche Einordnung: Fast alle belastbaren Ökobilanzdaten stammen aus der Getränkeindustrie, nicht aus der Kosmetik. Kosmetikbehälter unterscheiden sich durch dickere Wandstärken, dekorative Elemente und komplexe Verschlüsse. Eine der wenigen peer-reviewed LCA-Studien zu Kosmetikverpackungen stammt aus 2024 (MDPI Cosmetics). Die hier genannten Zahlen sind also teilweise extrapoliert — ein Punkt, den man ehrlich benennen muss.

Und dann das Verschluss-Problem. Die Flasche aus Glas, der Deckel aus Plastik — dieses Paradox betrifft fast jedes Glasprodukt. Ein Standard-Pumpspender besteht aus zwei bis vier verschiedenen Kunststofftypen, Edelstahl und manchmal Gummi. Diese Multimaterial-Konstruktionen sind im kommunalen Recyclingsystem praktisch nicht verwertbar. Bei einer Glasflasche mit Pumpe kann der Nicht-Glas-Anteil 25 bis 40 % des Gesamtgewichts ausmachen.

Ich will ehrlich sein: Auch bei uns kommen manche Verschlüsse noch nicht ohne Kunststoff aus. Wir evaluieren gerade Aluminium-Schraubverschlüsse und Mono-Material-Pumpen — zum Beispiel komplett aus PP, mit Polymerfeder statt Metallfeder. Hersteller wie Virospack und TriMas arbeiten an solchen Lösungen. Aber die sind noch nicht überall verfügbar und kosten mehr. Deshalb sagen wir auch nicht „plastikfrei" als pauschale Aussage — das wäre schlicht nicht korrekt.

Recycling: Was funktioniert — und was nicht

Glas lässt sich materialwissenschaftlich ohne Qualitätsverlust immer wieder einschmelzen. Das ist eine physikalische Tatsache und ein echtes Argument. Jede Tonne Altglasscherben, die in die Neuproduktion einfließt, spart Energie und CO₂ — laut FEVE rund 2,5 bis 3 % Energieeinsparung pro 10 % Scherbenanteil. Und die Glasindustrie arbeitet an der Dekarbonisierung: Ardagh Glass betreibt in Obernkirchen einen Schmelzofen mit 60 % elektrischer Beheizung, der den CO₂-Ausstoß um 64 % reduziert. Noch ist das nicht Standard, aber die Richtung stimmt.

Aber zwischen der theoretischen Recyclingfähigkeit und der Praxis klafft eine Lücke. Die Glasrecyclingquote in Deutschland lag 2024 bei 82,9 % — das klingt ordentlich, liegt aber deutlich unter der gesetzlichen Anforderung von 90 %. Die Quote stagniert seit Jahren und ist sogar leicht rückläufig. EU-weit liegt die Recyclingquote bei 74,9 % (Eurostat 2023). Der Bundesverband Sekundärrohstoffe (bvse) warnte Ende 2025 vor einer Krise im Glasrecycling.

Für Kosmetikglas kommt ein spezielles Problem dazu: Opazität. Stark beschichtetes, schwarz lackiertes oder metallisiertes Glas wird von den optischen Sortieranlagen nicht als Glas erkannt und als Fremdstoff aussortiert. Eine vierjährige Studie von Estée Lauder und Strategic Materials hat über 200 Kosmetik-Glasverpackungen getestet und das Kernproblem identifiziert: Liegt die Lichttransmission unter 1 %, werden die Gläser häufig fehlsortiert. Ab 5 % Transmission funktioniert die Sortierung zuverlässig.

Unser unbeschichtetes Braunglas ist hier im Vorteil — es lässt genug Licht durch und wird korrekt in den Braunglas-Recyclingkreislauf einsortiert.

Richtig entsorgen. Braunglas gehört in den Braunglas-Container. Violettglas gehört in den Grünglas-Container — dort wird es als „Fehlfarbe" toleriert. Verschlüsse bitte abnehmen und über den Gelben Sack entsorgen. Etiketten müssen nicht entfernt werden.

Mehrweg wäre der Gamechanger — aber es ist kompliziert

Die Ökobilanz von Glas dreht sich komplett, wenn man es wiederverwendet. Laut einer Auswertung von 32 Lebenszyklusanalysen durch Zero Waste Europe verursacht Mehrweg-Glas bis zu 85 % weniger CO₂ als Einweg-Glas und bis zu 75 % weniger als Einweg-PET. Der Break-even gegenüber Einweg-Glas liegt bei zwei bis drei Nutzungszyklen.

Allerdings ist die Studienlage hier differenzierter, als es auf den ersten Blick scheint. Stefanini und Kollegen (2021) fanden im italienischen Kontext, dass Mehrweg-Glas selbst nach vielen Wiederverwendungen in den meisten Umweltkategorien nicht besser abschneidet als recyceltes PET — der Sanitarisierungsschritt (Reinigung der Flaschen) allein verursacht über 40 % der Umweltwirkung.

Für Naturkosmetik sind Refill-Systeme nochmal schwieriger als für Getränke. Unsere Produkte haben kein Wasser und keine Konservierungsstoffe — jede Verunreinigung bei der Rücknahme wäre ein Risiko. Ein Nachfüllkonzept muss hygienisch absolut sicher sein, bevor wir es anbieten können. Daran arbeiten wir, aber es wäre unehrlich, einen Zeitplan zu versprechen.

Ein Wort zu Violettglas

Vielleicht hast Du schon von Violettglas gehört — das dunkle, fast schwarze Glas, das manche Naturkosmetikmarken nutzen. Die Spektralfilter-Eigenschaften sind physikalisch belegt: Violettglas blockiert sichtbares Licht zwischen 450 und 720 Nanometern und lässt violettes Licht sowie Infrarot durch.

Was Du allerdings wissen solltest: Für die darüber hinausgehenden „Biophotonen"-Behauptungen — dass Violettglas Produkte „energetisiert" oder ihre Wirksamkeit durch Lichtfrequenzen verstärkt — gibt es keine peer-reviewed Publikationen in anerkannten Fachzeitschriften. Die konservierenden Effekte lassen sich vollständig durch die Lichtblockade erklären. Jeder opake Behälter bietet vergleichbaren Schutz.

Wir verwenden Braunglas. Es schützt nachweislich vor UV-Strahlung, ist gut recyclebar und kommt ohne unbelegte Zusatzversprechen aus.

Was Two Hands BIO konkret tut — und was noch nicht

Ich möchte hier keine Verkaufsrede halten, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme machen.

Was wir machen: Wir verwenden standardisiertes Braunglas von deutschen Lieferanten. Unsere Formulierungen sind fettbasiert und wasserlos — Glas ist für sie das technisch richtige Material. Wir produzieren und versenden regional aus Wennigsen bei Hannover, was den Transportnachteil von Glas reduziert. Jedes unserer Produkte hat eine vollständige INCI-Liste, die Du auf der Website einsehen kannst.

Woran wir arbeiten: Verschlüsse auf Mono-Material oder Aluminium umstellen. Entsorgungshinweise direkt auf die Verpackung bringen — bislang fehlen die bei vielen Produkten. Langfristig ein Refill-Konzept entwickeln, das für wasserfreie Naturkosmetik hygienisch funktioniert.

Was wir nicht behaupten: Wir sagen nicht „nachhaltig verpackt" und nicht „umweltfreundliche Glasverpackung". Solche pauschalen Aussagen sind ab September 2026 durch die ECGT-Richtlinie der EU ohnehin verboten, wenn man keinen anerkannten Nachweis erbringen kann. Aber wir hätten sie auch vorher nicht verwendet — weil sie nicht die ganze Wahrheit erzählen.

Ehrliche Einordnung: Ab dem 27. September 2026 sind durch das 3. UWG-Änderungsgesetz (Umsetzung der EU-Richtlinie 2024/825) allgemeine Umweltaussagen wie „nachhaltig", „umweltfreundlich" oder „grün" ohne anerkannte Zertifizierung verboten. Auch Klimaneutralitäts-Claims auf Basis von CO₂-Kompensation sind unzulässig — bestätigt durch den BGH (27.06.2024, I ZR 98/23). Wir sehen das als gute Entwicklung: Wer konkret kommuniziert, hat nichts zu verlieren.

Was Du selbst tun kannst

Glas richtig entsorgen. Braunglas → Braunglas-Container. Violettglas → Grünglas-Container. Klingt banal, macht aber einen echten Unterschied: Altglasscherben, die den Container erreichen, werden zu über 90 % tatsächlich recycelt und zu neuem Behälterglas eingeschmolzen.

Verschluss abnehmen. Deckel und Pumpen separat über den Gelben Sack entsorgen. Multimaterial-Verschlüsse sind der größte Recycling-Schwachpunkt bei Glasverpackungen.

Weiterverwenden. Unsere Braunglasfläschchen eignen sich wunderbar als Aufbewahrung für selbst gemischte Öle, Gewürze oder Tee. Jeder Wiederverwendungszyklus verbessert die Ökobilanz.

Nachfragen. Wenn eine Marke „nachhaltig verpackt" schreibt, ohne zu erklären, was genau damit gemeint ist — frag nach. Transparenz entsteht durch Nachfrage.

Neuer Rechtsrahmen ab August 2026: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR, Verordnung (EU) 2025/40) gilt ab dem 12. August 2026 und ersetzt die bisherige Verpackungsrichtlinie. Sie schreibt unter anderem vor, dass alle Verpackungen recyclingfähig sein müssen und Versandkartons maximal 40 % Leerraum enthalten dürfen. Für Kosmetik-Kleinverpackungen aus Glas ändert sich wenig — Glas ist und bleibt einer der am besten recycelbaren Verpackungsstoffe.

Quellenverzeichnis

Meng, F., Brandão, M. & Cullen, J. M. (2024). Replace Plastics with Alternatives Is Worse for Greenhouse Gas Emissions in Most Cases. Environmental Science & Technology, 58(6), 2716–2727. DOI: 10.1021/acs.est.3c05191
Dolci, G. et al. (2025). A Systematic Review of Life Cycle Assessments of Plastic Product Systems. Waste Management & Research. DOI: 10.1177/0734242X241241606
Bou-Maroun, E. et al. (2023). Endocrine-Disrupting Activity of Plastic Packaging-Derived Extracts. Polymers, 15(19), 4009. DOI: 10.3390/polym15194009
Perret, J., Gómez Velázquez, M. & Mehn, D. (2025). Green Cosmetics — The Effects of Package Design on Consumers' Willingness-to-Pay. Sustainability, 17(6), 2581. DOI: 10.3390/su17062581
Stefanini, R. et al. (2021). Identification of the Main Factors in Life Cycle Assessment of Returnable Glass Bottles. International Journal of Life Cycle Assessment, 26, 1755–1770. DOI: 10.1007/s11367-020-01804-x
Coelho, P. M. et al. (2020). Reusable vs. Single-Use Packaging — A Review of Environmental Impact. Bericht für Zero Waste Europe / Reloop.
ZSVR / UBA (2026). Recyclingquoten für Verpackungsabfälle in Deutschland 2024. Veröffentlicht Januar 2026.
Eurostat (2024). Packaging Waste Statistics — Glass Recycling Rate 2023: 74,9 %.
Close the Glass Loop (2024). EU Glass Collection Rate 2023: 80,8 %.
Estée Lauder Companies / Strategic Materials Inc. (2024). Case Study on Recyclability of Cosmetic Glass Packaging (2020–2024).
EU-Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 — Kosmetikverordnung, Anhang I, Abschnitt 4 (Verpackungsbewertung).
Richtlinie (EU) 2024/825 — Empowering Consumers for the Green Transition (ECGT). Umgesetzt durch 3. UWG-Änderungsgesetz, BGBl. 2026 I Nr. 43.
BGH, Urteil vom 27.06.2024, Az. I ZR 98/23 — Klimaneutralitäts-Claims.
Ardagh Glass Packaging (2024). NextGen Furnace — 64 % CO₂-Reduktion durch 60 % elektrische Beheizung. Standort AGP-Obernkirchen.
Drug Plastics & Glass Co. (o.J.). Choose Plastic Over Glass for Better Sustainability. Herstellervergleich CO₂-Emissionen Glas vs. Kunststoff.
PauPack (o.J.). Essential Oil Bottle UV Protection — Glass vs. Plastic Longevity Test. 12-Wochen-UV-Simulation (Herstellerstudie).
FEVE (2016). Recycling — Why Glass Always Has a Happy CO₂ Ending. Branchenverband-Publikation.

Autor: Leon Ahlers — Gründer, Two Hands BIO
Veröffentlicht: März 2026

Du hast Fragen zu unseren Verpackungen oder Inhaltsstoffen? Schreib uns — wir beraten Dich gerne persönlich. Zur Beratung →

Dieses Dokument wurde nach bestem Wissen und gewissenhafter Recherche erstellt. Falls Du etwas zu ergänzen oder zu korrigieren hast, melde Dich bei uns. Wir nehmen Dich ernst.

Dieser Artikel wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Letzte Prüfung: Mai 2026.