Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Aufrichtig · Sinnlich · Wirksam FamilienManufaktur für Bio-Vegane Urkosmetik Ab 49 € versandkostenfrei

Duftstoffe in Kosmetik

Blog Vorschaubild: Duftstoffe In Kosmetik

Wissen & Hintergrund

Duftstoffe in Kosmetik — was hinter „Parfum" steckt

Warum Linalool, Limonene und Geraniol auf unseren Etiketten stehen, was die EU ab 2026 ändert — und warum „natürlich" beim Allergiepotenzial keinen Unterschied macht.

Wer unsere INCI-Listen liest, stolpert früher oder später über Namen wie Linalool, Limonene oder Citronellol. Das klingt nach Chemie — und die Rückfrage kommt oft: „Ich dachte, ihr arbeitet nur mit natürlichen Zutaten?" Ja, tun wir. Aber diese Substanzen sind natürliche Bestandteile unserer ätherischen Öle. Dass sie einzeln auf dem Etikett stehen, hat nichts mit Synthetik zu tun — sondern mit einer EU-Vorschrift, die Allergiker schützen soll.

In diesem Artikel erkläre ich, was sich hinter dem INCI-Eintrag „Parfum" verbirgt, warum die EU die Duftstoff-Kennzeichnung gerade massiv verschärft, und wie wir bei Two Hands BIO mit dem Thema umgehen. Wie immer: mit Quellen, ohne Alarmismus.

Was sich hinter „Parfum" in der INCI-Liste verbirgt

Wenn Du auf einem konventionellen Kosmetikprodukt „Parfum" (in den USA: „Fragrance") liest, ist das ein Sammelbegriff. Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 erlaubt in Art. 19(1)(g), dass Riech- und Aromastoffe unter diesem einen Wort zusammengefasst werden — zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Was dahintersteckt, kann eine Mischung aus typischerweise 50 bis 200 verschiedenen Einzelsubstanzen sein.

Die IFRA-Transparenzliste — das weltweite Verzeichnis aller in der Parfümerie verwendeten Inhaltsstoffe — umfasst aktuell rund 3.700 Substanzen (Stand 2025). Das heißt: Hinter „Parfum" kann sich so ziemlich alles verbergen. Für Allergiker ist das ein Problem, denn sie wissen nicht, ob ein für sie problematischer Stoff enthalten ist.

Deshalb hat die EU eine Sonderregel: Bestimmte als allergen bekannte Duftstoffe müssen zusätzlich zu „Parfum" einzeln deklariert werden, sobald sie einen Schwellenwert überschreiten. Genau das sind die Linalools und Limonenes, die Du auf unseren Etiketten siehst.

Die 26 Allergene — und warum es bald 82 werden

Seit Inkrafttreten der EU-Kosmetikverordnung müssen 26 als allergen identifizierte Duftstoffe einzeln deklariert werden, sobald sie bestimmte Konzentrationen überschreiten: mehr als 0,001 % (10 mg/kg) in Leave-on-Produkten und mehr als 0,01 % (100 mg/kg) in Rinse-off-Produkten. Das gilt unabhängig davon, ob der Duftstoff synthetischen oder natürlichen Ursprungs ist.

Von den ursprünglich 26 sind inzwischen zwei verboten: Butylphenyl Methylpropional (Lilial) seit dem 1. März 2022 wegen reproduktionstoxischer Eigenschaften und Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde (HICC/Lyral) seit 2019/2021 wegen hoher Sensibilisierungsraten. Faktisch sind also aktuell 24 „alte" Allergene deklarationspflichtig.

Jetzt kommt der wichtige Teil: Die Verordnung (EU) 2023/1545 vom 26. Juli 2023 erweitert diese Liste massiv. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) hatte in seinem Gutachten SCCS/1459/11 insgesamt 82 Substanzen als etablierte Kontaktallergene identifiziert — 54 Einzelchemikalien und 28 Naturextrakte. 56 davon waren bisher nicht deklarationspflichtig. Ab jetzt sind sie es.

Zu den neuen Allergenen gehören Substanzen, die in Naturkosmetik allgegenwärtig sind: Menthol, Terpineol, Linalylacetat, Campher, Vanillin, Geranial und Geranylacetat. Besonders relevant: Erstmals müssen auch ganze ätherische Öle als Gruppenallergene deklariert werden — darunter Ylang-Ylang, Zimt, Lavendel, Jasmin, Rose und Bergamotte.

Was das für die Praxis heißt: Die INCI-Listen werden ab 2026 bei vielen Produkten deutlich länger — auch ohne dass sich an der Rezeptur etwas ändert. Mehr Kennzeichnung heißt nicht weniger Qualität. Es heißt mehr Transparenz.

Die Übergangsfristen: Was wann gilt

Die Verordnung (EU) 2023/1545 ist am 16. August 2023 in Kraft getreten. Aber es gibt Übergangsfristen, weil die Umstellung für Hersteller aufwändig ist — neue Etiketten, neue Analysen, neue Sicherheitsbewertungen.

Bis 31. Juli 2026 müssen alle neu in Verkehr gebrachten Produkte die erweiterte Deklaration tragen. Das betrifft uns direkt: Jede Charge, die wir nach diesem Datum erstmals verkaufen, muss die neuen Allergene korrekt kennzeichnen.

Bis 31. Juli 2028 dürfen bereits auf dem Markt befindliche Produkte mit der alten Kennzeichnung noch abverkauft werden. Danach ist Schluss.

Die Schwellenwerte selbst ändern sich nicht: 0,001 % für Leave-on, 0,01 % für Rinse-off. Was sich ändert, ist die Anzahl der Substanzen, die überhaupt geprüft und deklariert werden müssen.

Natürlich versus synthetisch: Beim Allergiepotenzial kein Unterschied

Hier muss ich etwas sagen, das man als Naturkosmetik-Hersteller nicht gern sagt: Beim Allergiepotenzial macht es keinen Unterschied, ob ein Duftstoff aus einer Pflanze oder aus einem Labor stammt. Linalool ist Linalool — ob es aus Lavendelöl oder aus industrieller Synthese kommt. Die Körperzellen reagieren auf das Molekül, nicht auf seine Herkunft.

Ätherische Öle sind komplexe Vielstoffgemische mit teilweise über 200 verschiedenen Inhaltsstoffen pro Öl. Ihre Zusammensetzung variiert je nach Chemotyp, Anbau- und Erntebedingungen. Synthetische Duftstoffe sind dagegen einzelne Moleküle — günstiger, stabiler und reproduzierbarer. Beides hat Vor- und Nachteile, aber „natürlich = sicherer" stimmt in Bezug auf Allergien nicht.

Laut SCCS sind 1–3 % der europäischen Gesamtbevölkerung gegen Duftstoffe sensibilisiert. Das klingt wenig, betrifft aber Millionen Menschen. Und die Deklarationspflicht existiert genau für diese Gruppe: damit sie informierte Entscheidungen treffen kann.

Ehrliche Einordnung: Dass natürliche und synthetische Duftstoffe gleich allergen sein können, ist kein Argument gegen Naturkosmetik. Es ist ein Argument gegen die Illusion, dass „natürlich" automatisch „verträglich" bedeutet. Wer wirklich empfindlich ist, muss die INCI-Liste lesen — bei Naturkosmetik genauso wie bei konventionellen Produkten.

Warum Linalool, Limonene und Geraniol auf unseren Etiketten stehen

Lass uns das an einem konkreten Beispiel durchgehen. Unser Lavendelöl enthält von Natur aus hohe Anteile Linalool und Linalylacetat. Zitrusöle enthalten viel Limonene. Rosenöl bringt Geraniol und Citronellol mit. Diese Substanzen sind keine Zusätze — sie sind natürliche Bestandteile der Öle.

Die Deklarationspflicht greift, weil ihre Konzentration im fertigen Produkt die Schwellenwerte überschreitet. Deshalb tauchen sie einzeln in der INCI-Liste auf — zusätzlich zum jeweiligen ätherischen Öl. In der Naturkosmetik kennzeichnen viele Hersteller das mit einem Sternchen und dem Hinweis: „*Bestandteil natürlicher ätherischer Öle."

Bei Two Hands BIO verwenden wir ausschließlich reine ätherische Öle. Keine synthetischen Düfte, keine „naturidentischen" Fragrance-Kompositionen. Was auf der INCI-Liste steht, kommt aus der Pflanze — und steht dort, weil die EU es zum Schutz von Allergikern verlangt.

Was Two Hands BIO anders macht — und was nicht

Ich will hier ehrlich sein, statt mich besser darzustellen, als es ist.

Was wir anders machen: Wir verwenden kein „Parfum" als Sammelbegriff. Bei uns gibt es keinen Blackbox-Eintrag in der INCI-Liste, hinter dem sich hunderte unbekannte Substanzen verbergen könnten. Jedes einzelne ätherische Öl steht mit seinem INCI-Namen auf dem Etikett. Du weißt genau, was drin ist.

Was wir nicht anders machen können: Auch unsere ätherischen Öle enthalten allergene Duftstoffe. Lavendelöl enthält Linalool, Zitrusöle enthalten Limonene — das liegt in der Natur der Pflanze und lässt sich nicht ändern. Wer gegen Linalool allergisch ist, verträgt unser Lavendelöl genauso wenig wie ein synthetisches Parfüm mit Linalool.

Was wir tun können: transparent sein. Die INCI-Listen auf unserer Website sind vollständig einsehbar. Wenn Du unsicher bist, ob ein Produkt für Dich geeignet ist, schreib uns — wir schauen uns Dein Allergieprofil an und beraten Dich ehrlich, auch wenn das heißt, dass wir Dir von einem Produkt abraten.

Ehrliche Einordnung: Wir haben weder eine NATRUE- noch eine COSMOS-Zertifizierung. Aber unsere Transparenz übersteigt die Anforderungen beider Standards bei der Duftstoffdeklaration. Jeder Inhaltsstoff ist einzeln benannt — kein „Parfum", kein Versteckspiel.

Was Du als Verbraucher tun kannst

Unabhängig davon, welche Kosmetik Du benutzt:

„Parfum" in der INCI-Liste hinterfragen. Wenn ein Produkt nur „Parfum" oder „Fragrance" listet, weißt Du nicht, welche der aktuell 82 bekannten Duftstoffallergene enthalten sind. Hersteller, die Transparenz ernst nehmen, listen ihre Duftstoffe einzeln auf.

Allergen-Deklaration lesen. Die einzeln aufgeführten Allergene (Linalool, Limonene, Geraniol etc.) sind kein Zeichen für „Chemie" im Produkt. Sie sind ein Zeichen dafür, dass der Hersteller die EU-Vorschrift einhält und Dir als Allergiker die Möglichkeit gibt, informiert zu entscheiden.

Ab 2026 auf längere INCI-Listen vorbereitet sein. Die erweiterte Allergen-Deklaration wird die Zutatenlisten vieler Produkte verlängern — besonders bei Naturkosmetik. Das ist kein Qualitätsverlust, sondern ein Transparenzgewinn.

Bei Duftstoffallergie: Patch-Test nutzen. Wenn Du weißt, dass Du auf bestimmte Duftstoffe reagierst, gleiche die INCI-Liste mit Deinem Allergieprofil ab. Im Zweifel: Dermatologen fragen oder den Hersteller direkt kontaktieren.

Quellen

Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel, Art. 19(1)(g), Anhang III.
Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission vom 26. Juli 2023 zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009. Amtsblatt L 188 vom 27.07.2023.
SCCS/1459/11. Opinion on Fragrance Allergens in Cosmetic Products. Adoptiert am 26.–27. Juni 2012.
IFRA Standards, 51st Amendment (2023). 263 Verbindungen unter Beschränkungen. Compliance-Deadline bestehende Kreationen: 30. Oktober 2025.
IFRA Transparency List (2025). 3.691 Inhaltsstoffe, davon 3.312 Duftstoffe.
IKW/Cosmetics Europe: Leitlinien zu Duftstoffallergenen (Februar 2024).
Verordnung (EU) 2017/1410 — Verbot von HICC (Lyral), Atranol und Chloratranol.

Dieser Artikel wurde im März 2026 von Leon Ahlers (Two Hands BIO) verfasst. Die wissenschaftlichen Quellen wurden einzeln geprüft und validiert. Der Artikel dient der Aufklärung und ersetzt keine medizinische oder dermatologische Beratung. Bei Fragen zu unseren Produkten und Inhaltsstoffen: schreib uns.

Dieses Dokument wurde nach bestem Wissen und gewissenhafter Recherche erstellt. Falls Du etwas zu ergänzen oder zu korrigieren hast, melde Dich bei uns. Wir nehmen Dich ernst.

Dieser Artikel wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Letzte Prüfung: März 2026.