Haltbarkeit von Kosmetik — MHD, PAO und Symbole
Wissen & Hintergrund
Haltbarkeit von Kosmetik — MHD, PAO und was die Symbole wirklich bedeuten
Warum unsere Produkte ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen statt des bekannten „offenen Tiegels", was die EU-Verordnung dazu vorschreibt — und warum kürzere Haltbarkeit kein Nachteil ist.
Auf fast jedem Kosmetikprodukt findest Du eines von zwei Symbolen: eine Sanduhr mit einem Datum oder einen offenen Tiegel mit einer Zahl wie „12M". Die meisten Leute wissen ungefähr, was sie bedeuten — aber warum es zwei verschiedene gibt und wann welches vorgeschrieben ist, wissen erstaunlich wenige. Selbst manche Hersteller bringen das durcheinander.
In diesem Artikel erkläre ich den Unterschied zwischen MHD und PAO, was die EU-Kosmetikverordnung konkret vorschreibt, warum unsere Produkte bei Two Hands BIO ein MHD tragen — und warum eine kürzere Haltbarkeit bei Naturkosmetik kein Zeichen für ein schlechtes Produkt ist. Wie immer: mit den Verordnungsnummern, nicht mit Marketingsprüchen.
MHD oder PAO — was die EU-Verordnung vorschreibt
Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 regelt in Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe c die Haltbarkeitskennzeichnung von Kosmetikprodukten. Die zentrale Regel ist ein Entweder-Oder-Prinzip:
Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) — das Sanduhr-Symbol (Anhang VII Nr. 3) mit einem konkreten Datum. Es sagt: Bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller die volle Qualität des ungeöffneten Produkts. Vorgeschrieben für alle Produkte mit einer Haltbarkeit von 30 Monaten oder weniger. Das Datum wird als „Mindestens haltbar bis Ende…" angegeben, in der Regel im Format MM/JJJJ.
Period After Opening (PAO) — der offene Tiegel (Anhang VII Nr. 2) mit einer Zahl wie „6M" oder „12M". Er sagt: Nach dem ersten Öffnen ist das Produkt für so viele Monate sicher verwendbar. Vorgeschrieben für Produkte mit einer Haltbarkeit von mehr als 30 Monaten.
Wichtig: Es gibt kein „beide Symbole gleichzeitig" in der Verordnung — es ist das eine oder das andere. Ein Produkt, das ein MHD trägt, braucht kein PAO-Symbol, und umgekehrt.
Was das in der Praxis heißt: Wenn Du auf einem unserer Produkte eine Sanduhr mit Datum siehst statt des offenen Tiegels, bedeutet das: Die ungeöffnete Haltbarkeit liegt bei 30 Monaten oder darunter. Das ist bei Naturkosmetik mit wenigen Inhaltsstoffen und ohne synthetische Konservierung normal — und kein Qualitätsmangel.
Warum es PAO-Ausnahmen gibt
Nicht jedes Produkt braucht ein PAO-Symbol, selbst wenn es länger als 30 Monate haltbar ist. Die Verordnung und die Branchenpraxis kennen mehrere Ausnahmen:
Einmalpackungen: Produkte, die nur einmal verwendet werden (z. B. Proben, Sachets), haben keinen „Zeitraum nach dem Öffnen" — sie werden sofort aufgebraucht.
Produkte, die nicht geöffnet werden: Aerosoldosen zum Beispiel. Der Inhalt hat keinen Kontakt mit Luft oder Fingern, also gibt es kein Kontaminationsrisiko durch das Öffnen.
Wasserfreie Produkte: Reine Öle, Balsame und Wachse ohne Wasserphase bieten Mikroorganismen keinen Nährboden. Ohne Wasser kein mikrobielles Wachstum.
Produkte mit hohem Alkoholgehalt (≥ 30 %): Parfüms und Eau de Toilette fallen in diese Kategorie — branchenübliche Auslegung nach Cosmetics-Europe-Empfehlung. Der hohe Alkoholgehalt wirkt selbstkonservierend.
PAO-Richtwerte: Wie lange hält was nach dem Öffnen?
Die PAO-Zeiträume sind nicht gesetzlich festgelegt — jeder Hersteller muss sie auf Basis seiner Stabilitätsprüfung selbst bestimmen. Es gibt aber branchenübliche Richtwerte, die sich in der Praxis bewährt haben:
Mascara: 3–6 Monate. Kurz, weil der Applikator bei jeder Nutzung Kontakt mit der Augenpartie hat — Infektionsrisiko.
Augencremes: 6–9 Monate. Empfindliche Zone, kleine Gebindegrößen — in Tiegeln eher 6, in Tuben bis 9 Monate.
Gesichtscremes, Sonnencreme: 12 Monate. Bei täglicher Anwendung meist ohnehin vorher aufgebraucht.
Körperlotionen, Haarpflege: 12 Monate.
Puder, trockene Produkte: 18–24 Monate. Kein Wasser = weniger Nährboden für Keime.
Diese Werte sind Orientierungshilfen, keine Garantien. Die tatsächliche Haltbarkeit hängt von der konkreten Formulierung, der Konservierung und nicht zuletzt davon ab, wie hygienisch Du mit dem Produkt umgehst.
Was hinter der Haltbarkeitsangabe steckt: Stabilitätsprüfung
Die Haltbarkeitsangabe auf einem Kosmetikprodukt ist keine Schätzung — sie basiert auf standardisierten Tests, die Teil der Sicherheitsbewertung nach Anhang I der EU-Kosmetikverordnung sind.
Beschleunigte Stabilitätsstudien nutzen erhöhte Temperaturen, um den natürlichen Alterungsprozess im Zeitraffer zu simulieren. Das Prinzip dahinter: Die Arrhenius-Gleichung beschreibt, wie chemische Reaktionen bei höherer Temperatur schneller ablaufen. In der Praxis heißt das: 12 Wochen bei 40 °C und 75 % relativer Luftfeuchtigkeit entsprechen etwa einem Jahr bei Raumtemperatur. Geprüft werden dabei pH-Wert, Viskosität, Farbe, Geruch und mikrobielle Belastung.
Der Challenge Test nach ISO 11930:2019 bewertet die antimikrobielle Schutzwirkung — also wie gut ein Produkt gegen Keime geschützt ist. Dazu wird das Produkt mit fünf Referenzorganismen beimpft: Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Candida albicans und Aspergillus brasiliensis. Die Keimzahl wird an Tag 7, 14 und 28 gemessen. Kriterium A — das strengste — verlangt eine Reduktion um mindestens 3 Log-Stufen bei Bakterien und mindestens 1 Log-Stufe bei Hefen und Schimmelpilzen. Das bedeutet: Von einer Million Keimen dürfen nach dem Testzeitraum nur noch tausend übrig sein (bei Bakterien).
Ergänzend sorgt ISO 22716:2007 (Good Manufacturing Practices für Kosmetik) dafür, dass Produktion, Kontrolle, Lagerung und Versand nach definierten Hygienestandards ablaufen. Die Konformitätserklärung gehört in die Produktinformationsdatei (PIF).
Ehrliche Einordnung: Der Challenge Test ist für wasserhaltige Produkte verpflichtend. Unsere wasserfreien Formulierungen brauchen ihn streng genommen nicht, weil ohne Wasser kein mikrobielles Wachstum stattfindet. Die Stabilitätsprüfung machen wir trotzdem — weil wir wissen wollen, wie sich unsere Produkte über die Zeit verhalten, nicht nur ob sie den Mindeststandard erfüllen.
Warum Naturkosmetik oft kürzer haltbar ist — und was das bedeutet
Lass uns das sachlich aufdroeseln, ohne es schönzureden oder zum Verkaufsargument zu machen.
Natürliche Pflanzenöle — Jojobaöl, Arganöl, Mandelöl — sind chemisch komplexe Mischungen aus Fettsäuren, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Diese Stoffe sind biologisch aktiv, aber auch anfällig für Oxidation. Mineralöle dagegen (Paraffinum Liquidum, Petrolatum) sind chemisch inert — sie reagieren mit fast nichts und halten deshalb praktisch unbegrenzt.
Dazu kommt: Konventionelle Kosmetik nutzt synthetische Konservierungsstoffe (Phenoxyethanol, Parabene, MIT/MCI) und synthetische Stabilisatoren, die gezielt gegen mikrobielles Wachstum und Oxidation wirken. Naturkosmetik verzichtet darauf oder setzt auf mildere Alternativen wie Tocopherol (Vitamin E) als Antioxidans — was funktioniert, aber weniger aggressiv ist.
Das Ergebnis: Typische Haltbarkeiten bei Naturkosmetik-Cremes und -Lotionen liegen bei 18 bis 30 Monaten ungeöffnet, bei konventionellen Produkten eher bei 36 Monaten oder mehr. Wasserfreie Produkte wie Öle und Balsame — also das, was wir bei THB herstellen — liegen ungeöffnet typischerweise bei 24 bis 36 Monaten, weil Bakterien ohne Wasser schlicht nicht wachsen können.
Ehrliche Einordnung: Kürzere Haltbarkeit ist kein Qualitätsmerkmal — sie ist eine Konsequenz. Wer auf synthetische Konservierung und inerte Mineralöle verzichtet, bekommt Produkte mit biologisch aktiven Inhaltsstoffen, die dafür schneller altern. Das ist kein Vorteil und kein Nachteil. Es ist ein Trade-off, den man kennen sollte.
Wie Du die Haltbarkeit Deiner Kosmetik verlängerst
Unabhängig davon, ob Natur- oder konventionelle Kosmetik:
Kühl lagern (15–25 °C). Nicht im Badezimmer direkt neben der Dusche, wo es feucht und warm wird. Ein kühler Schrank oder das Schlafzimmer eignen sich besser.
Licht vermeiden. Direkte Sonneneinstrahlung beschleunigt die Oxidation von Pflanzenölen. Deshalb füllen wir bei THB in Braunglas ab — das filtert UV-Licht.
Hygienisch entnehmen. Bei Tiegelprodukten: sauberer Spatel statt Finger. Jeder Fingerkontakt bringt Keime ins Produkt. Bei unseren Balsamen mit Drehverschluss ist das weniger kritisch, weil Du nicht in den Tiegel greifst.
Nach Gebrauch sofort verschließen. Luft und Feuchtigkeit sind die Feinde jeder Formulierung — ob natürlich oder konventionell.
Wie Two Hands BIO die Haltbarkeit sicherstellt
Unsere Produkte sind wasserfreie Formulierungen — Öle, Pflanzenbutter, Wachse. Das ist der wichtigste Faktor für die Haltbarkeit: Ohne Wasser können sich Bakterien, Hefen und Schimmelpilze nicht vermehren. Deshalb brauchen wir weder Konservierungsstoffe aus Anhang V der EU-Kosmetikverordnung noch die sogenannten „multifunktionellen" Substanzen, die viele Hersteller als versteckte Konservierung einsetzen.
Tocopherol (Vitamin E) verwenden wir als Antioxidans — es schützt die Pflanzenöle vor Ranzigkeit durch Oxidation. Das ist kein Konservierungsmittel im regulatorischen Sinne, sondern Oxidationsschutz. Jojobaöl in unseren Rezepturen wirkt zusätzlich stabilisierend, weil es chemisch ein flüssiges Wachs ist und kaum oxidiert.
Unsere Produkte tragen ein MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) mit einer Haltbarkeit von 24 bis 36 Monaten ab Herstellung. Das konkrete Datum findest Du auf jedem Produkt.
Ehrliche Einordnung: MHD und PAO sind Qualitätsgarantien, keine strikten Verfallsdaten. Ein Produkt wird am Tag nach dem MHD nicht plötzlich schlecht. Wenn Geruch, Farbe und Konsistenz unverändert sind, ist ein Produkt in der Regel noch einwandfrei. Umgekehrt gilt: Wenn ein Produkt vor dem MHD ranzig riecht oder sich verfärbt hat, solltest Du es entsorgen — unabhängig vom Datum.
Quellen
Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel, Art. 19(1)(c), Anhang I, Anhang VII Nr. 2 und 3.
ISO 11930:2019 (+A1:2022). Cosmetics — Microbiology — Evaluation of the antimicrobial protection of a cosmetic product.
ISO 22716:2007. Cosmetics — Good Manufacturing Practices (GMP) — Guidelines on Good Manufacturing Practices.
BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Haltbarkeitsdaten für kosmetische Mittel — Orientierungswerte.
Arrhenius, S. (1889). Über die Reaktionsgeschwindigkeit bei der Inversion von Rohrzucker durch Säuren. Zeitschrift für physikalische Chemie, 4, 226–248.
Dieser Artikel wurde im März 2026 von Leon Ahlers (Two Hands BIO) verfasst. Die wissenschaftlichen Quellen wurden einzeln geprüft und validiert. Der Artikel dient der Aufklärung und ersetzt keine medizinische oder dermatologische Beratung. Bei Fragen zu unseren Produkten und Inhaltsstoffen: schreib uns.
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Dieser Artikel wird regelmäßig auf Aktualität geprüft. Letzte Prüfung: März 2026.